Die Zeit ist schnelllebig und vieles, was heute gesagt oder gewusst wird, ist morgen schon wieder Vergangenheit. Wer erinnert sich daran? In dieser Rubrik sammeln wir Dokumente, Reden, Bilder zur Geschichte der Delitzscher SPD.

Haben Sie auch Dokumente für uns? Dann würden wir uns freuen, wenn Sie uns diese zur Verfügung stellen könnten. Gern auch als Kopie.

Unsere Geschichte

Aus Anlass des 20.Jahrestags der Neugründung der Delitzscher SPD im Jahr 2010 erarbeitete Dr. Manfred Wilde eine Kurzgeschichte der Sozialdemokratie in Delitzsch, die im folgenden veröffentlichen. Unser besonderer Dank gilt dafür dem Autor.

1863 Gründung des Allgemeinen Deutschen Arbeitervereins in Leipzig, aus dem später die SPD hervorgeht.
1877 Am 21.02. findet die Reichstagswahl statt. Der Sozialdemokrat Schmidt erhält im Kreis 1.027 und in der Stadt Delitzsch 184 Stimmen, erringt aber damit kein Abgeordnetenmandat.
1890 Etwa 600 Frauen aus Delitzsch nehmen am 20. März im Saal des Gasthofes "Bürger-Garten" - mit der heutigen Anschrift Hallesche Straße 52 - an einer öffentlichen Versammlung von Sozialdemokraten zum Thema "Die Stellung der Frau in der Industrie und in der Gesellschaft" teil. Im Polizeibericht heißt es "Diese Frauenzimmer sind meist niederen Standes, es sind Zigarrenarbeiterinnen und Dienstmädchen (...)". Der Vorstand der Sozialdemokratischen Vereinigung trifft sich regelmäßig in diesem Lokal.
1895 Im Saal des Schenkwirts Fröde in der Grünstraße - heute Saal des Lindenhofes in der Bismarckstraße - findet am 31. März eine große sozialdemokratische Volksversammlung statt. Aufgrund einer vom Zigarrenarbeiter Graupe verfassten Resolution beschließt die Versammlung, künftig die Maifeier immer am 1. Mai des Jahres zu begehen und dabei für den 8-Stunden-Tag zu demonstrieren.
1895 Am 30. September erfolgt die Gründung des Sozialdemokratischen Vereins für Delitzsch und Umgebung. Wegen des restriktiven Parteiengesetzes erfolgt die Gründung nur als Verein und nicht als Partei. Die erste Parteiversammlung findet im Lindenhof am 6. Oktober statt und beschließt, künftig an jedem 1. Mai zu streiken.
1921 Bei der am 6. Juni stattgefundenen Reichstagswahl stimmten in Delitzsch für Deutschnationale 505, Deutsche Volkspartei 1426, Demokraten 967, Sozialdemokraten (Mehrheitssozialisten) 1261, Unabhängige 3340, Zentrum 94, Kommunisten 57 Wähler.
1921 In der Stadtverordnetenversammlung am 27. November kam es zu Unstimmigkeiten der einzelnen Parteien. Im Verlauf der Auseinandersetzungen verließen die Stadtverordneten der USPD (Unabhängige Sozialdemokraten) den Sitzungssaal. Auf Veranlassung des Regierungspräsidenten hatte SPD-Landrat Raute die Mitglieder des Magistrats und die Stadtverordneten zu einer Verhandlung über die Auflösung der Stadtverordnetenversammlung eingeladen, um in einer Besprechung zwischen Magistrat und Stadtverordneten zu vermitteln. Die beabsichtigte Einigung war jedoch nicht zu erreichen. In der Folge rechnete man mit der Ernennung eines Regierungskommissars, der einstweilen die Geschäfte bis zu Neuwahlen weiter führen würde.
1922 Am 27. März fanden Stadtverordnetenwahlen statt. Diese ergaben 2187 Stimmen für die Vereinigte Bürgerschaft, SPD (Liste Münzer) 974 Stimmen, USPD (Liste Hampe) 1213 Stimmen, KPD 1545 Stimmen. Die Stadtverordnetenversammlung setzte sich wie folgt zusammen: Vereinigte Bürgerschaft 14, SPD 4, SPD 5, KPD 7 Sitze.
1924 Am 17. Februar findet eine Konferenz des Unterbezirks Delitzsch-Bitterfeld der USPD statt. Der Vorsitzende Thomas aus Delitzsch leitet die Tagung und ehrt den Parteiveteranen Herman Graupe aus Delitzsch. In der am 6. Mai durchgeführten Stadtverordnetenwahl werden als Stadtverordnete die USPD-Mitglieder Paul Buhle, Richard Hampe und Fritz Schwan gewählt.
1925 In der Kreisvorstandssitzung vom 5. Februar wird einstimmig beschlossen, den Sitz des Parteisekretärs der SPD der Region Delitzsch-Torgau nach Eilenburg zu verlegen. Die Delitzscher sehen die Notwendigkeit ein.
1925 Am 30. März wird der sozialdemokratische Landrat Raute im alten Schützenhaus am Schützenplatz verabschiedet.
1932 Ergebnisse der Landtagswahl Preußen für Delitzsch: NSDAP 3191, SPD 1238, KPD 2130, DNVP 468, SAPD 342, DVP 310 Stimmen. Die Sozialdemokraten verlieren 40 Stimmen im Landtag.
1933 Am 28. Februar sind, entsprechend den Anordnungen des Reichsministers Göring, auch in Delitzsch Durchsuchungen bei Funktionären der KPD und SPD vorgenommen und verschiedene Plakate und Flugblätter beschlagnahmt worden. Am 1. März fand die Neuwahl der Stadtverordneten statt. Gewählt wurden 13 NSDAP-Mitglieder, 4 Sozialdemokraten, 7 Kommunisten, 3 Kampffront schwarz-weiß-rot, 1 Bürgerliche Mitte. Vier Mitglieder der Delitzscher SPD, darunter Hampe und Schwahn, werden nach dem Reichstagsbrand inhaftiert.
1945 Am 28. Mai fand unter der Anwesenheit unter anderen von Mitgliedern der ehemaligen Delitzscher SPD Otto Bieler, Richard Hampe und Fritz Schwahn die Bildung eines Hauptausschusses und eines engeren Antinazi-Arbeitsausschusses statt. Damit nahm die Verwaltung der Stadt unter der amerikanischen Besatzung ihre Arbeit auf. Am 23. Juli werden innerhalb der Stadt vier politische Parteien gebildet, die sich zu einem Block zusammengeschlossen haben: SPD, KPD, CDU und LDP.
1946 Nach der Androhung restriktiver staatlicher Maßnahmen stimmten Delegierte der Kreisorganisation der SPD im Saal des "Stadt Leipzig" für die Vereinigung mit der KPD zur SED.
1989 Am 9. November stellen sich bei Gesprächen zur gesellschaftlichen Veränderung in der DDR im Evangelischen Gemeindehaus erstmals Vertreter der neu gegründeten Sozialdemokratischen Partei in der DDR (SDP) vor.
1990 Die Gründung eines SDP-Kreisverbandes findet am 9. Januar im Gemeindehaus der Evangelischen Kirchengemeinde statt.

Wir möchten diese Geschichte gern komplettieren und fortführen. Dafür bitten wir Sie um Informationen, Fotos, Dokumente oder einfach Hinweise. Vielen Dank für Ihre Unterstützung.