Mythos ALternative

Reinhard Zänker, ein Urgestein der Delitzscher SPD und Teilnehmer an den Montagsdemonstrationen in Delitzsch 1989 besuchte die AfD-Kundgebung am 26.11.2015 und kam zu neuen Einsichten.

auf zur ersten AfD-Demo in Delitzsch

Nur gut dass wir in einer Marktwirtschaft leben, denn dort gilt die Regel, wo ein Mangel ist lässt sich Geld verdienen. Auch dieses gilt für die Politik. Die Politik hat aus Sicht vieler Bürger nicht ausreichend auf die Sorgen und Ängste der Bürger  Rücksicht genommen. Dies ist die Einführung und Wertschätzung des Euro und zum zweiten die große Frage der Flüchtlingspolitik.

 

Auf diesen Mangel wurde reagiert und es entstand die AfD. Die AfD verstand es Bürger mit diesen Ängsten für sich zu gewinnen. Hätten die etablierten Parteien rechtzeitig und  zufriedenstellend auf diese offenen Fragen reagiert, gäbe es heute keine AfD. Auch in Delitzsch hat die AfD am 26.11.2015 zu einer Kundgebung auf den Markt  eingeladen. Diese Ankündigung machte mich neugierig.

 

Da ich ein Mensch bin der nichts auf Hörensagen  gibt, sondern ich möchte mir selbst ein Urteil bilden denn ich halte mich an ein Sprichwort: „ Sprich nicht von Hunger wenn du  selbst keinen  hast!“ Ich nahm meine Frau bei der Hand und wir gingen gemeinsam gegen 18.30 Uhr auf den Markt.

Markt oder Rossplatz?

In der Nähe des Rathauses standen zwei Männer mit einer gelben Armbinde auf der AfD stand. Als wir auf sie zu gingen lächelten sie uns an und sagten mit einem ironischen Unterton die Veranstaltung war erst für den Markt genehmigt und dann wieder abgesagt und auf den Rossplatz verlegt wurden. Die Begründung : „auf dem Markt ist Weihnachtsmarkt und das geht da zu diesem Zeitpunkt nicht!“ 

 

Wir drehten um und schlenderten zum Rossplatz. Auf den Weg dorthin machte ich mir meine Gedanken über das gerade erlebte. Mit dieser Entscheidung, nicht Markt sondern Rossplatz und der Begründung Weihnachtsmarkt, hat man sich im Landratsamt ein kleines Eigentor geschossen, denn das genehmigende Amt wusste doch bestimmt das zu diesem Zeitpunkt die Buden aufgebaut aber nicht offen sind.

 

Man muss doch nicht noch Öl ins Feuer gießen. Selbstverständlich wurde dies später bei einem  der Redner in höchster Form ausgeschlachtet.

"Lügenpresse" - gar nicht da?

Als wir dann am Rossplatz ankamen war er zur Hälfte gefüllt. Ein Veranstaltungswagen mit Rednerpult stand erleuchtet hinter einer Absperrung. Vorwiegend sah ich Jugendliche und im Hintergrund Polizei. 

 

Es war kurz vor 19.oo Uhr da kamen aus Richtung Bahnhof eine Gruppe meist Jugendliche mit einer Deutschlandfahne und einer Fahne der NPD. Wir hörten aus dieser Gruppe die Rufe: “Wir sind das Volk, Merkel muss weg und Lügenpresse.“ Verwunderlich war nur ich hatte keine Presse gesehen. Bei der Veranstaltung gab es drei Redner, der erste Herr der sprach: leitete die Veranstaltung, der zweite war ein Abgeordneter des Landtages und der dritte Redner  war ein Jugendlicher aus den Reihen der AfD.

 

Der Inhalt der Reden war bei allen gleichtönig. Es wurde gesprochen wie schlimm die derzeitige Ausländerpolitik unserer Regierung ist. Es wurde über die Lügenpresse gesprochen, dort wurde auch darüber gesprochen dass man auch durch einseitige Berichterstattung auch eine Art von Lüge verbreitet.

 

Es wurde gesprochen, dass über 80 Straftaten von Ausländer bisher begangen wurden, zum Beweis hielt der Redner Akten in die Höhe. Es wurde über Entfremdung und Islamisierung geredet.

Was war 1989 anders?

Man erinnerte an die friedliche Revolution 1989 wo Kerzen das Symbol des Friedens waren. Zwischen den Reden hörte man des Öfteren  die Schlagzeilen aus den Zuhörern: “Wir sind das Volk und Merkel muss weg.“ Bei solchen Parolen schaute ich mich hin und wieder um und konnte beobachten,  Initiator solcher Sprechblasen war öfters einer mit einer gelben Armbinde. Manchen Mitrufern war es peinlich, wenn sie sich beobachtet fühlten. Zum Schluss sollten alle die Nationalhymne singen und dazu mit  Feuerzeug und Kerzen, die vom Rednerpult verteilt wurden, schwenken.

 

Das war mir dann doch zu viel des guten. Ich war auch 1989 zu den Demonstrationen in Leipzig und auch in Delitzsch, ich hab gesehen wie die Leute freiwillig Kerzen in die Fenster und Hauseingänge stellten. All diese Menschen mussten nicht durch einen Anpeitscher angestiftet werden.

 

Ich ging zum Rednerpult und wollte dies so darstellen. Ich sagte zu dem Veranstalter am Rednerpult, ich bin Delitzscher und möchte etwas sagen.  Es wurde sofort das Mikrofon abgeschaltet und der Verantwortliche sagte zu mir er habe die Veranstaltung beendet das geht jetzt nicht mehr ich hätte meinen Beitrag vorher anmelden müssen.

 

Bei diesem Satz versuchte er mich vom Rednerpult wegzudrängen. Mit deutlich lauterer Stimme sagte ich zu ihm: „und ihr seid für Pressefreiheit,  dabei lasst ihr nicht mal jedem bei euch selber seine Meinung öffentlich vertreten.“

Persönliches Fazit

Meine  Meinung zu AfD hat sich nach dieser Begebenheit  gewandelt. Am Anfang habe ich sie noch als Protestpartei empfunden , die die Themen besetzt die die etablierten Parteien nicht zufriedenstellend begleiten. Jetzt ist es nur eine Partei, die mit allen Mitteln an die Macht kommen will.

 

Das Thema spielt dabei eine untergeordnete  Rolle. Wenn die AfD  bei den nächsten Wahlen unter 10% bleibt, wird sie nicht gefährlich, dann wird sie sich in absehbarer Zeit selbst auflösen ( siehe Piraten ).

 

Sollten aber die gestandenen Parteien die anstehenden Probleme Flüchtlingspolitik, einheitliches starkes Europa und im Inneren etwas mehr Bürgernähe und nicht nur immer Lobbypolitik für Unternehmen betreiben, dann wird die AfD erstarken. Bis dahin ist sie aber immer noch nicht gefährlich für Deutschland. Gefährlich wird sie erst dann, wenn  Berufspolitiker der Altparteien  bei der AfD einen wirtschaftlichen Vorteil sehen. Aus diesem Grunde sollte man die AfD nicht unterschätzen. Die Geschichte lehrt uns, auch kleine Parteien sind nicht zu unterschätzen.

Reinhard Zänker